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Bewertung: teilweise falsch

UNHCR-Geldkarten bezahlen weder Flucht durch Europa, noch sind sie finanziert von George Soros

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Ein Mann hebt am 19. Juli 2016 an einem Geldautomaten in Athen Bargeld ab. (Symbolbild, Photo by Kostis Ntantamis / AFP)

von Caroline Schmüser

Die Flüchtlingskommission (UNHCR) verteile EC-Karten von Mastercard an Flüchtende, damit diese auf ihrem Weg durch Europa finanziell abgesichert sind – das behaupten verschiedene deutschsprachige Webseiten. Die Finanzierung käme vom Milliardär George Soros. Das ist beides falsch.

Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) soll in Kooperation mit der Aktiengesellschaft Mastercard Prepaid-Debitkarten an Flüchtende verteilen. Das berichten Anfang November mehrere deutschsprachige Webseiten, darunter EpochTimes, PI News und der Blog Schlüsselkind. Die UNHCR wolle mit den Geldkarten sicherstellen, dass Flüchtende auf ihrem Weg durch Europa finanziell abgesichert sind.

Um die Karte nutzen zu können, seien keine Ausweisdokumente nötig. Anstelle des Namens des Karteninhabers seien die Bezeichnung „UNHCR“ und eine Nummer auf die Karte gedruckt. EpochTimes zieht dieses Bild aus Beispiel heran:

Das Bild stammt ursprünglich von der Webseite der UNHCR Griechenland. EpochTimes verwendete das Bild. (Screenshot von Correctiv)

Die deutschen Webseiten beziehen sich auf die slowenische Nachrichtenseite Nova24tv. Das rechtspopulistische Medium hatte am 30. Oktober 2018 erstmals über ein solches Verfahren berichtet. Anlass war ein Tweet des slowenischen TV-Redakteurs Ninoslav Vucetic.

„Beweis dafür, dass die EU die europäische Kultur zerstört?“, fragt der slowenische TV-Redakteur Ninoslav Vucetic auf Twitter. (Screenshot von Correctiv)

Die deutschsprachigen Webseiten stellen außerdem die Frage in den Raum, ob der US-amerikanische Investor und Multimillionär George Soros in das Projekt der UNHCR investiere. Grund für die Annahme: Mastercard hatte im Januar 2017 ein gemeinsames Projekt mit George Soros angekündigt.

Die Fotos, die zuerst die slowenische Nachrichtenseite Nova24tv und später auch deutschsprachige Medien verbreiteten, stammen von der Webseite der UNHCR Griechenland.

In Griechenland werden solche Prepaid-Karten tatsächlich zur Verfügung gestellt, ebenso wie in Botswana, Sudan, Mexiko, Türkei, Libanon und Syrien. Das erfuhren wir vom Pressesprecher der UNHCR Griechenland, Leo Dobbs, sowie dem UNHCR-Sprecher der Regionen Asien und Europa, Charlie Yuxley. Unsere Recherchen zeigen aber auch: Einige der von den deutschen Webseiten verbreiteten Informationen sind falsch.

Welche Personengruppen können die Geldkarten erhalten?

Dobbs von der UNHCR Griechenland teilte uns per E-Mail mit, dass die Prepaid-Karten ausschließlich für Flüchtlinge und Asylbewerber ausgestellt würden. Die Karten werden monatlich mit einem bestimmten Geldbetrag aufgeladen – dazu später mehr.

Welche Personengruppen die Geldkarten erhalten können, sei streng geregelt: Ausschließlich registrierte Asylbewerber, deren Antrag noch anhängig ist, sowie Drittstaatsangehörige mit polizeilichen Führungszeugnissen, die sich legal in Griechenland aufhalten, sind dazu berechtigt. Voraussetzung sei auch ein Mindestalter von 18 Jahren und Erwerbslosigkeit.

Warum die UNHCR Flüchtlingen diese Form der Bargeldhilfe bereitstellt, erklärt ein YouTube-Video der UNHCR Griechenland. So sollen Flüchtlinge unter anderem die Chance bekommen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, mit Einheimischen in Kontakt kommen, und zur lokalen Wirtschaft beitragen.

Wo können die Geldkarten benutzt werden?

Verwenden könne man die Karten bloß in dem Land, in dem sie ausgestellt wurden. „In einigen Fällen, beispielsweise in Mexiko, können sie nur bei bestimmten Banken verwendet werden“, erklärte Yaxley, Sprecher der UNHCR für Asien und Europa. „Die an Flüchtlinge und Asylbewerber in Griechenland ausgestellten Karten können also nur in Griechenland verwendet werden“, bestätigte auch Dobbs von der UNHCR Griechenland.

Die Behauptung, Flüchtende könnten sich mit den Karten ihren „Weg durch Europa“ finanzieren, ist somit falsch.

Welcher Betrag befindet sich auf den Geldkarten?

Der Betrag, den ein Haushalt erhält, sei dabei abhängig von der Familiengröße. In Griechenland liege der Betrag beispielsweise zwischen 90 Euro und 150 Euro für eine Einzelperson pro Monat. Eine Familie von sieben oder mehr Personen könne bei Selbstversorgung bis zu 550 Euro erhalten. Die Barleistung soll den Grundbedarf an beispielsweise Kleidung, Transport und Schulbedarf decken, teilte uns Dobbs von der UNHCR Griechenland mit.

Das zeigt auch diese Grafik aus einer Studie der UNHCR Griechenland:

Diese Tabelle der UNHCR Griechenland zeigt, welcher Geldbetrag einer bestimmten Anzahl von Personen zusteht. (Grafik von der UNHCR Griechenland, Screenshot von Correctiv)

Im Rahmen des vom UNHCR durchgeführten Programms in Griechenland haben seit April 2017 mehr als 80.000 Berechtigte mindestens einmal Geld erhalten. Im September 2018 erhielten fast 55.000 Flüchtlinge oder Asylbewerber eine Bargeldhilfe.

Weltweit wurden bis September mehr als zwei Millionen Menschen mit Bargeld unterstützt, so Yuxley. In Form von Kartenzahlungen, mobiler Konten und direkter Bargeldhilfe.

Sind die Geldkarten personalisiert?

Auf den Fotos auf der Webseite der UNHCR scheint es, als seien die Prepaid-Karten nicht personalisiert – dem ist wirklich so. „Die Karten sind in der Tat nicht personalisiert. Sie sind durch eine eindeutige Kennung mit unserer Datenbank verbunden, zeigen aber keine persönlichen Daten“, teilte uns Dobbs von der UNHCR Griechenland mit.

Die UNHCR und ihre Partner würden jedoch monatliche Zertifizierungsprüfungen durchführen, um festzustellen, ob sich Personen an derselben Adresse aufhalten oder das Land verlassen haben. In solchen Fällen würden die Karteninhaber von der Liste der Begünstigten gestrichen, die Geldzahlungen sofort eingestellt und die Karte gesperrt.

Finanziert George Soros das Projekt?

Eine Verbindung des US-Amerikaners George Soros zum Projekt der UNHCR gebe es nicht. „Herr Soros und seine Organisationen sind in keiner Weise an dem von der UNHCR in Griechenland durchgeführten Hilfsprogramm beteiligt“, so Dobbs. In Griechenland würden die Karten im Rahmen des ESTIA-Programms (Emergency Support To Integration & Accommodation) bereitgestellt. Die Finanzierung kommt von der Europäischen Kommission.

In anderen Ländern werden die Programme aus Mitteln der UNHCR finanziert. Weder George Soros noch mit ihm verbundene Organisationen würden die UNHCR Mastercards unterstützen, erklärte Yuxley.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die Karten können nur im Land der Ausstellung benutzt werden. Finanziert wird das Programm aus Mitteln der EU und der UNHCR. Die Karten sind nicht personalisiert, werden aber monatlich zertifiziert.

Bewertung: falsch

Keine „Lügenpresse“: Mutmaßliche Vergewaltiger auf Mallorca haben die deutsche Staatsbürgerschaft

Bildschirmfoto 2019-07-09 um 15.51.20
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Die Seite „PI-News“ verwendet zum Beispiel ein Foto der spanischen Zeitung „Ultima Hora“, das die Festnahme der Verdächtigen zeigt, und behauptet, es handelte sich um „türkische Vergewaltiger“. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

In mehreren Artikeln wird behauptet, die vier Verdächtigen, die eine junge Frau auf Mallorca vergewaltigt haben sollen, seien keine Deutschen. Medien hätten „gelogen“, als sie diese so bezeichneten. Das ist falsch. 

Haben deutsche Medien bei der Nationalität der Verdächtigen, die auf Mallorca der Vergewaltigung beschuldigt werden, gelogen? Am vergangenen Donnerstag, 4. Juli, waren vier junge Männer am Flughafen auf Mallorca festgenommen worden, nachdem eine 18-jährige Deutsche Anzeige erstattet hatte. Medienberichten vom Montag zufolge wurde für zwei Verdächtige Untersuchungshaft angeordnet, die anderen beiden seien wieder auf freiem Fuß. Die Tat soll sich in der Nacht auf Donnerstag in Cala Rajada ereignet haben. Zahlreiche deutsche Medien berichteten über den Fall und schrieben von „deutschen Urlaubern“, die festgenommen worden seien. 

Wenig später kursierten Fotos der Verdächtigen in den sozialen Netzwerken, und die Behauptung, es handele sich bei den vier Männern nicht um Deutsche. „Lügenpresse macht aus türkischen Tätern ‘deutsche Urlauber’“, titeln die Webseiten PI-News und Anonymousnews. Und das Magazin Compact-Online veröffentlicht einen Artikel mit dem Titel: „Massenvergewaltigung auf Mallorca – Deutsche Presse jubelt: Es waren „DEUTSCHE“! Richtig ist: Es waren TÜRKEN!“ Der Artikel von Compact-Online wurde auf Facebook mehr als 1.500 Mal geteilt, der von PI-News mehr als 2000 Mal. 

Rassistische Kommentare zu Fotos der Verdächtigen

Anonymousnews schreibt zudem im Artikel: „Was die Gesinnungspresse allerdings unterschlägt, weil sie entweder des Spanischen nicht mächtig ist oder vielmehr ihre Leser auf politisch korrektem Kurs zu halten sucht: Bei den Tätern handelt es sich um Türken, lediglich wohnhaft in Deutschland.“ 

Auf Facebook kursieren zudem zahlreiche, tausendfach geteilte Fotos der Verdächtigen, die unter anderem von der Bild veröffentlicht worden waren. Die Verbreiter in sozialen Netzwerken deuten an, es könne sich bei den Abgebildeten nicht um Deutsche handeln. Darunter kommentieren Nutzer zum Beispiel: „Also so sehen heute typisch Deutsche aus?“ oder „Wirft ein schlechtes Licht auf die wirklichen Deutschen“.  

Ein Beitrag auf Facebook vom 6. Juni, in dem angezweifelt wird, dass es sich bei den Verdächtigen um Deutsche handelt. (Screenshot: CORRECTIV)

Fest steht: Wer einen deutschen Pass besitzt, ist Deutscher und wird auch in Medien- und Polizeiberichten so bezeichnet. Auch die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdächtige oder Täter nach ihrer Nationalität. Ausländer, die lediglich in Deutschland wohnen, werden als Nichtdeutsche geführt.

CORRECTIV hat geprüft, ob es sich bei den Verdächtigen um deutsche Staatsbürger handelt. 

Die erwähnten Medienberichte beziehen sich als Quelle auf die spanischen Medien Diario de Mallorca und Ultima Hora. Dort ist ebenfalls die Rede von deutschen Touristen, allerdings wird von türkischem Migrationshintergrund gesprochen. Diario de Mallorca schreibt: „Los sospechosos son alemanes de origen turco“ (auf Deutsch: Die Verdächtigen sind Deutsche mit türkischen Wurzeln), und Ultima Hora berichtet von „jóvenes turcoalemanes“ (junge Deutschtürken). In den Kommentaren unter dem Artikel fragen Leser, was dieser Begriff bedeuten solle; es handele sich doch um „Türken mit deutschem Pass“. Ein anderer schreibt: „Sie sind Türken. Keine Deutschen!“ 

Überschrift und Bild des Artikel von „Ultima Hora“. Auch darin ist von „jungen Deutschen“ die Rede. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben bei der spanischen Polizei Guardia Civil nachgefragt, welche Nationalität die vier festgenommenen Verdächtigen haben. Die Antwort der Pressestelle lautet: „Die vier Verhafteten in dem Fall, auf den Sie sich beziehen, haben die deutsche Nationalität, mit türkischen Wurzeln.“

Die Antwort der Pressestelle der Guardia Civil auf eine E-Mail-Anfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Bewertung: Falsch. Deutsche Medien haben nicht gelogen, als sie die vier Männer als „Deutsche“ bezeichneten. Die Verdächtigen haben die deutsche Staatsbürgerschaft. 

Bewertung: völlig falsch

Dieser Brief von der angeblichen Organisation „Aktion Familie & Kind“ ist eine Fälschung

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Der gefälschte Brief kursiert seit 2016 im Internet. (Screenshot: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Seit Jahren kursiert auf Facebook ein Brief, der von „Aktion Familie & Kind“ stammen soll. Demnach habe die Organisation beschlossen, nur Flüchtlingskinder und ihre Eltern auf eine Reise mitzunehmen. Bei dem Brief handelt es sich um eine Fälschung.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte bereits am 24. Mai 2017 einen Brief, der von „Aktion Familie & Kind“ stammen soll. Der Brief wurde in den vergangen Tagen wieder vermehrt auf Facebook geteilt. Aus dem Brief geht hervor, dass die Reisekosten für „afghanische und syrische Flüchtlingskinder und deren Familien“ vollständig „durch einen staatlichen Förderfond“ übernommen werden sollen, deutsche Kinder würden wiederum als störend empfunden werden. Über dem Brief wird auf schwarzem Hintergrund und weißer Schrift eine unvollständige Passage aus dem Brief zitiert: „Deutsche Kinder werden mit ihren Familien werden aufgrund der kulturellen Unterschiede in diesem Zusammenhang als störend empfunden.“ Anschließend folgt der Kommentar: „GEHTS NOCH ???“ Wir haben uns den Brief näher angesehen.

Bereits in den Kommentaren wird auf die Fälschung hingewiesen. (Screenshot: CORRECTIV)

Brief kursiert seit 2016 im Netz

Der Brief ist datiert auf den 5. Oktober 2016, der Name und die Adresse des Empfängers sind geschwärzt. Lediglich der Name und die Kontaktdaten des angeblichen Absenders sind auf dem Brief zu erkennen. Demnach stammt der Brief von der Organisation „Aktion Familie und Kind“. Eine Google-Suche bringt allerdings keine Treffer für eine solche Organisation.

Wir haben den Brief durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen. Neben vielen Treffern auf Pinterest stößt man auch auf einen Artikel des österreichischen Faktencheck-Vereins Mimikama. Auch in den Kommentaren weist ein Facebook-Nutzer auf einen am 29. August 2017 veröffentlichten Faktencheck von Mimikama hin.

Die Organisation „Aktion Kind & Familie“ gibt es nicht 

Wir haben haben die Kontaktdaten des angeblichen Absenders überprüft. Laut Briefkopf soll die Organisation ihren Sitz auf der Keibelstraße 36 in Berlin haben. Tatsächlich sind laut Google an dieser Adresse mehrere Firmen und eine Polizeistation gemeldet. Die Organisation „Aktion Familie & Kinde“ ist dort jedoch nicht zu finden.

Die Ergebnisse der Goolge-Suche. An der Adresse sind mehrere Firmen gemeldet. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Kreis schließt sich, wenn man mehr über die im Briefkopf angegebene Nummer herausfinden möchte. Laut Google-Suche gehört sie zum „Polizei Berufsinformationszentrum“, das seinen Sitz an der gleichen Straße hat. Wir haben die Nummer überprüft und landeten bei einem Anrufbeantworter der Polizei. Bei dem Brief handelt es sich somit um eine Fälschung.

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Die Nummern sind identisch. Links: die Nummer aus dem Brief, rechts: die Nummer der dort ansässigen Polizei. (Screenshot und Collage: CORRECTV)
Unsere Bewertung:
Bei dem Brief handelt sich um eine Fälschung. Die Organisation, die den den gefälschten Brief abgeschickt haben soll, existiert nicht.

Bewertung: größtenteils richtig

Was der Dalai Lama über Migration und Zuwanderung in Europa sagt

Bildschirmfoto 2019-07-04 um 11.38.35
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Der Dalai Lama während eines BBC-Interviews mit der entsprechenden Passage. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In einem Artikel wird behauptet, der Dalai Lama habe vor „zu vielen Migranten“ gewarnt. Europa dürfe kein „muslimisches oder afrikanisches“ Land werden. Das stimmt größtenteils.

Die österreichische Webseite Wochenblick schreibt in einem Artikel vom 30. Juni „Dalai Lama warnt vor zu vielen Migranten: Europa darf nicht muslimisch oder afrikanisch werden“. Als Quelle dafür wird ein Interview des BBC mit dem Dalai Lama vom 27. Juni angegeben. Ähnlich habe sich der Dalai Lama schon einmal geäußert, im September 2018 bei einer Veranstaltung im schwedischen Malmö.

Der Artikel der Webseite „Wochenblick.at“. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Artikel von Wochenblick wurde bisher mehr als 4.200 Mal auf Facebook geteilt. 

Der Dalai Lama hat sich mehrfach ähnlich geäußert

Tatsächlich hat der 84-Jährige mehrfach seine Meinung über Zuwanderung in Europa geäußert. Im aktuellen BBC-Interview wird er auf eine Aussage angesprochen, die er so 2018 getätigt haben soll: „Das Ziel sollte sein, dass Migranten zurückkehren und ihre Länder wieder aufbauen. Man muss pragmatisch sein: Es ist unmöglich, dass alle kommen.“ 

Der Dalai Lama sagt daraufhin zur Reporterin: „Die europäischen Länder sollten diese Flüchtlinge aufnehmen, ihnen Bildung und Training vermitteln. Das Ziel sollte sein, dass sie in ihr eigenes Land zurückkehren.“ 

Die Reporterin fragt, was denn sei, wenn diese Flüchtlinge in Europa bleiben wollen würden, ob sie das nicht dürfen sollten? 

Der Dalai Lama sagte: „Eine begrenzte Anzahl ist in Ordnung. Aber dass ganz letztendlich Europa ein muslimisches Land wird? Unmöglich. Oder ein afrikanisches Land? Auch unmöglich.“ Die Reporterin sagt, was daran falsch sei, der Dalai Lama sei doch selbst ein Flüchtling. Der antwortet darauf: „Sie [die Geflüchteten] sollten besser in ihrem Land sein. Das ist besser. Lasst Europa den Europäern.“ 

Dann endet die Szene. Es zeigt sich, dass der Dalai Lama darin nicht wirklich vor „zu vielen“ Migranten und Flüchtlingen „warnt“. Er spricht nicht über mögliche Gefahren oder Konsequenzen, die eine große Anzahl seiner Ansicht nach hätte.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Dalai Lama so zu diesem Thema geäußert hat. Von seiner Aussage im schwedischen Malmö am 12. September – auf die die BBC-Reporterin sich offenbar bezog – existieren zwar keine Video- oder Tonaufnahmen, wie wir bereits in einem CORRECTIV-Faktencheck vom vergangenen September recherchierten. In einem Bericht zur Veranstaltung in Malmö auf der offiziellen Webseite des Dalai Lama steht jedoch: „Er [der Dalai Lama] wiederholte das, was er zuvor Pressevertretern gesagt hatte: Dass es gut sei, kurzfristig Hilfe anzubieten. Auf längere Sicht wollen die meisten Flüchtlinge jedoch in die Länder zurückkehren, aus denen sie geflohen sind. Was wichtig ist, ist die Wiederherstellung des Friedens dort, und ihnen, vor allem der Jugend, eine Ausbildung zu geben, damit sie ihre Länder wieder aufbauen können.“ Auch das klingt nicht wirklich nach einer „Warnung“.

Auszug aus dem Beitrag auf der offiziellen Webseite des Dalai Lama zum Auftritt im schwedischen Malmö im September 2018. (Screenshot: CORRECTIV)

Aussagen in Rotterdam und in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“

In einem weiteren Beitrag auf der offiziellen Webseite heißt es, in der Berichterstattung zu den Äußerungen des Dalai Lamas seien diese „aus dem Kontext gerissen“. Dazu wird eine Antwort des Dalai Lamas auf die Frage einer Frau in Rotterdam wenige Tage nach dem Auftritt in Schweden wiederholt (auch im Video zu sehen): 

„Es ist wunderbar, dass Deutschland und andere europäische Länder den Flüchtlingen geholfen haben, als sie aus anderen Ländern nach Europa gekommen sind. Ich denke jedoch, dass die meisten dieser Flüchtlinge ihr eigenes Land als Heimat betrachten, aber gerade jetzt gibt es dort viele Tote, Tyranneien und Leiden. Deshalb sind sie geflohen. Kurzfristig sollten die europäischen Länder ihnen also Zuflucht bieten und insbesondere den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, eine allgemeine und berufliche Bildung, einschließlich der technischen Ausbildung, zu erhalten. Ziel ist es, dass sie schließlich in der Lage sein sollten, zum Wiederaufbau ihrer eigenen Länder zurückzukehren. Das war von Anfang an meine Meinung. Wir Tibeter haben zum Beispiel in Indien Zuflucht gefunden, aber die meisten Tibeter wollen nach Tibet zurückkehren, wenn sich die Situation dort geändert hat. Jedes Land hat seine eigene Kultur, Sprache und Lebensweise, und es ist besser für die Menschen, in ihrem eigenen Land zu leben. Das ist meine Meinung.“

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Ähnlich äußerte sich der Dalai Lama auch 2016 in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Darin sagte er, Deutschland könne kein arabisches Land werden. Auch „moralisch gesehen“ sollten die Flüchtlinge „nur vorübergehend aufgenommen werden“.

Antwort des Dalai Lama in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Jahr 2016. (Screenshot: CORRECTIV)

Der 14. Dalai Lama ist der spirituelle Führer der Tibeter. Er floh nach eigenen Angaben auf der offiziellen Webseite 1959 von Tibet ins Exil nach Indien, nachdem in der tibetischen Hauptstadt Lhasa ein Aufstand gegen die chinesische Regierung ausgebrochen war. Er ist aufgrund der politischen Umstände in Tibet bis heute nicht in seine Heimat zurückgekehrt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Der Dalai Lama äußerte mehrfach seine Meinung, Flüchtlinge sollten nur kurzfristig in Europa aufgenommen werden und letzten Endes zurückgehen, um ihre Länder „wieder aufzubauen“.

Bewertung: größtenteils falsch

Doch, deutsche Medien haben dieses Bild von Menschen auf der „Sea-Watch 3“ gezeigt

Bildschirmfoto 2019-07-04 um 18.42.41
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Facebook-Beitrag vom 1. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert ein Bild von vier Passagieren der „Sea-Watch-3“, verknüpft mit der Behauptung, deutsche Medien würden die Bilder nicht zeigen. Das ist falsch. Der WDR nutzte das Bild drei Tage zuvor für seine Berichterstattung. Andere deutsche Medien zeigten ähnliche Bilder.

Am 2. Juli veröffentlichte ein Nutzer auf Facebook ein Bild, auf dem vier Männer zu sehen sind, die vor einem Schiff auf dem Boden sitzen und von Männern in Uniform bewacht werden. Dazu die Behauptungen, es handele sich um Personen von Bord der „Sea-Watch 3“, die Bilder sehe man „aber auch nur in italienischen und internationalen Medien.“ Der Beitrag wurde bisher etwa 7.400 Mal geteilt. 

Richtig ist: Ja, auf dem Bild sind Passagiere der „Sea-Watch 3“ zu sehen. Aber deutsche Medien haben sehr wohl Bilder dieser Menschen gezeigt. Eine Bilder-Rückwärtssuche bei Google zeigt: Der WDR berichtete am 29. Juni mit demselben Bild, die Stadt Münster sei bereit, Personen von Bord der „Sea-Watch 3“ aufzunehmen. Das Bild stammt von der Nachrichtenagentur Reuters

Der WDR berichtete am 29. Juni 2019 über die Passagiere der „Sea-Watch 3“. (Screenshot: CORRECTIV)

Andere Medien, wie die Webseite der Tagesschau und die Deutsche Welle berichteten am selben Tag und bebilderten ihre Artikel mit ähnlichen Fotos der Menschen von Bord. Auch Spiegel Online zeigte ähnliche Bilder der Nachrichtenagentur Reuters am 29. Juni in einem Video. 

Berichterstattung von „Tagesschau“ und „Deutsche Welle“ vom 29. Juni 2019 über die Passagiere der „Sea-Watch 3“ (Screenshots und Montage: CORRECTIV)
Bild aus einem Video von „Spiegel Online“ mit Material der Nachrichtenagentur Reuters, veröffentlicht am 29. Juni 2019. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Doch, deutsche Medien haben Bilder der Passagiere der „Sea-Watch 3“ gezeigt.

Bewertung: falsch

Nein, dieses Video einer Schlägerei im Schwimmbad stammt nicht aus Deutschland, sondern aus Israel

Bildschirmfoto 2019-07-04 um 12.44.19
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Auszug aus dem Video der Schlägerei in einem Schwimmbad in Tel Aviv. (Screenshot: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert ein Video einer Schlägerei, die sich angeblich in einem deutschen Schwimmbad ereignet haben soll. Diese Behauptung ist falsch. Das Video stammt aus Holon bei Tel Aviv, Isreal.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 3. Juli ein 41 Sekunden langes Video, in dem eine Massenschlägerei in einem Schwimmbad zu sehen ist. Der Nutzer schreibt dazu: „Das neue Deutschland! Integration? Läuft….“ Es wird der Eindruck suggeriert, dass das Video in Deutschland entstanden sei. Der Beitrag wurde insgesamt mehr als 2.850 Mal geteilt. Wir haben überprüft, woher das Video stammt. 

Das Video wurde über 2850 Mal geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Video stammt aus Israel

Nur wenige Stunden nachdem der Nutzer das Video veröffentlichte, verbreitete es auch die Facebook-Seite „AfD – Kreisverband Coesfeld“. Neben Kommentaren wie „Walter übernehmen sie“ oder „Aktion Pur mit den Neuen Bürgern, was sagt Mutti dazu“, weist ein Nutzer auf einen Artikel der englischen Zeitung Mirror hin.

Auch die Facebook-Seite „AfD – Kreisverband Coesfeld“ verbreitet das Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Mirror veröffentlichte bereits am 11. Juni einen Artikel über dasselbe Video. Laut Mirror ist es jedoch im „Yamit 2000“-Schwimmbad in Holon bei Tel Aviv, Israel, entstanden. Das Video im Artikel hat eine höhere Auflösung, so dass hebräische Wörter auf zwei T-Shirts zu erkennen sind. 

Auszug aus dem Mirror-Artikel. Die Schrift haben wir rot eingekreist (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

Wir haben überprüft, ob das Video wirklich im „Yamit 2000“-Schwimmbad in Israel entstanden ist. Auf der offiziellen Webseite des Schwimmbads kann man eine virtuelle 360° Tour durch die gesamte Anlage machen. Dort haben wir die Stelle gefunden, an der die Schlägerei stattgefunden hat.

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Oben: Ein Screenshot aus dem Video. Unten: Screenshot von der offiziellen Webseite des Schwimmbades in Israel. (Collage: CORRECTIV)

Anmerkung, 4. Juli 2019: Wir haben den Text angepasst um zu verdeutlichen, dass sich der Wasserpark in Holon bei Tel Aviv befindet, nicht in Tel Aviv.

Unsere Bewertung:
Falsch. Dieses Video stammt nicht aus einem Schwimmbad in Deutschland, sondern in Israel.

Bewertung: richtig

Ja, der Vater von Carola Rackete arbeitet auch in der Rüstungsindustrie

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Der Arbeitgeber von Ekkehart Rackete stellt ballistische Schutzsysteme für den zivilen und militärischen Einsatz her. (Symbolfoto: Pixabay/metaliza01)

von Hüdaverdi Güngör

In einem Artikel wird behauptet, Ekkehart Rackete der Vater der kürzlich in Italien festgenommenen Kapitänin der „Sea-Watch 3“, Carola Rackete, verdiene sein Geld in der Militärindustrie. Die Behauptung aus dem Artikel ist wahr.

Die österreichische Webseite Unzensuriert behauptet in einem am 30. Juni veröffentlichten Artikel, Ekkehart Rackete, der Vater von Carola Rackete, der kürzlich in Italien festgenommenen Kapitänin der „Sea-Watch 3“, verdiene sein Geld in der Militärindustrie.

Die Behauptung stützt sich auf ein Linkedin Profil, das zu Ekkehart Rackete gehören soll, und einen italienischen Medienbericht. Veröffentlicht wurde der Unzensuriert-Artikel mit dem Titel: „Besonders dreist: Vater von ‘Sea-Watch3’-Schlepper-Kapitänin ist reicher Militärsberater“. Der Artikel wurde auf Facebook-Seiten wie „Mein Deutschland“ oder „Alternative für Deutschland AfD Viersen“ insgesamt mehr als 900 Mal geteilt. Wir haben uns die Hintergründe angesehen.

Der Artikel wurde am 30. Juni veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Fall der „Sea-Watch 3“ sorgt seit Tagen in Europa für Aufruhr und Diskussionen. Das Rettungsboot, unter der Leitung von Carola Rackete, wartete wochenlang auf eine Einfuhrgenehmigung in Italien. An Bord waren mehrere Migranten und Geflüchtete. Als die Genehmigung ausblieb, fuhr Rackete trotzdem den Hafen der italienischen Stadt Lampedusa an. Daraufhin wurde sie von der italienischen Polizei verhaftet. Mittlerweile ist sie wieder freigekommen

Unzensuriert.at wirft in dem Artikel einen Blick auf den Vater von Carola Rackete. Den beruflichen Werdegang wertet die Webseite als „besonders dreist“. Sowohl im italienischen Bericht von Il Giornale als auch im Artikel von Unzensuriert.at ist ein Link hinterlegt, der auf das Linkedin Profil von Ekkehart Rackete führen soll. Linkedin ist ein Netzwerk zur Pflege bestehender und zum Knüpfen neuer Geschäftskontakte. Für uns war das Profil nicht mehr aufrufbar.

Das LinkedIn Profil ist nicht mehr „vorhanden“.(Screenshot: CORRECTIV)

Auf Facebook kursieren Screenshots, die das Profil von Ekkehart Rackete zeigen sollen. Laut Eigenbeschreibung auf dem Profil soll er unter anderem seit 30 Jahren in der Verteidigungsindustrie arbeiten. Als aktueller Arbeitgeber ist auf dem Screenshot des Profils die „Mehler Engineered Defence GmbH“ angegeben.

Das Bild soll angeblich das LinkedIn Profil von Ekkehart Rackete zeigen. (Screenshot CORRECTIV)

Die Mehler Engineered Defence GmbH stellt nach eigenen Angaben ballistische Schutzssysteme zum Beispiel Panzerungen für militärische und zivile Anwendungen her. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Mehler GmbH, dass Ekkehart Rackete dort beschäftigt ist. Weiter schreibt das Unternehmen dazu in einer Pressemitteilung per Email an CORRECTIV: „Herr Ekkehart Rackete unterstützt Vertriebsaktivitäten der Mehler Engineered Defence GmbH als freier Mitarbeiter zur Akquise von Neuprojekten.“ Rackete vertreibe demnach Produkte sowohl für zivile als auch für militärische Einsätze.

Rackete habe im Zuge seiner Tätigkeit aber zu keinem Zeitpunkt Waffen angekauft oder verkauft. Des Weiteren weist das Unternehmen darauf hin: „Entgegen der Darstellungen in den sozialen Medien und der Italienischen Presse werden bei der Mehler Engineered Defence GmbH keine Waffen entwickelt, hergestellt und/oder vertrieben.“

Die vollständige Pressemitteilung der Mehler Engineered Defence. (Screenshot: CORRECTIV)

Dennoch wirbt die Mehler GmbH auf ihrer Internetseite mit Bildern von Panzern, Munition und Kampfhubschraubern. Auf Nachfrage von CORRECTIV, welche Produkte der Firma auf den Bildern zu sehen sind, antwortet die Mehler GmbH: „Keine. Diese Bilder stehen repräsentativ für Anwendungsspektren unserer Schutzprodukte.“

Auf der Webseite werden die verschiedenen Produkte beworben. (Screenshot: CORRECTIV)

Einschätzungen von Experten

Sevim Dagdelen, stellvertretende Vorsitzende und abrüstungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, hält die Darstellung der „vermeintlich“ defensiven Schutzausstauttung für verfälschend: „Schutzpanzerungen erhöhen deutlich die Kampffähigkeit von Waffensystemen und ermöglichen bzw. verbessern deren Offensivfähigkeiten.“ 

Das vollständige Statement von Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch Dr. Simone Wisotzki, Wissenschaftlerin und Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: „Ich war auf der Webseite und würde die Aussagen der Firma allgemein unterstützen, dass es sich dabei um Defensivssyteme (Schutzsysteme) handelt, die keine Waffen sind, aber natürlich auch in Waffen (z.B. Panzer) verwendet werden können.“

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Die vollständige Einschätzung von Dr. Simone Wisotzki. (Screenshot: CORRECTIV)

Experten: keine Relevanz für Seenotrettung

Beide Experten äußern außerdem in ihren Einschätzungen gegenüber CORRECTIV unabhängig voneinander, dass die Tätigkeit von Ekkehart Rackete nicht relevant in der aktuellen Debatte um seine Tochter sei. Sevim Dagdelen schreibt dazu: „Ungeachtet dessen sind die Tätigkeitsfelder der Mehler Engineered Defense GmbH und die Vertriebstätigkeit von Herrn Ekkehart Rackete vollkommen irrelevant für die Bewertung des Seenotrettungseinsatzes der Kapitänin Carola Rackete.“ Deutlicher formuliert es die Wissenschaftlerin Dr. Simone Wisotzki: „Ich finde es mehr als verwerflich, der Tochter aus dem Job des Vaters irgendeinen Vorwurf zu machen.“

Unsere Bewertung:
Ja, Ekkehart Rackete arbeitet im erweiterten Sinne in der Rüstungsindustrie. Laut Auskunft des Unternehmens arbeitet er als freier Mitarbeiter im Vertrieb, sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich. Die Firma stellt zwar nicht direkt Waffen her, dafür aber Komponenten, die auch in Kriegsgeräten eingesetzt werden.

Bewertung: teilweise falsch

Ja, dieses Foto zeigt Menschen auf der „Sea-Watch 3“ – aber der Bildausschnitt führt in die Irre

Titelbild_Seawatch
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Titelbild_Seawatch
Der hier rot umrandete Bildausschnitt wird auf Facebook verbreitet. Das Original stammt aus einem Video der Nachrichtenseite „Notizie.it“. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook wird ein Foto der Migranten und Flüchtlinge von der „Sea-Watch 3“ verbreitet. Es soll wohl zeigen, dass unter ihnen angeblich keine Frauen waren. Der Bildausschnitt ist aber nur ein Teil des Originals. Zudem gibt es Zahlen von Sea-Watch zu Frauen und Kindern an Bord.

Die Facebook-Seite „Befreiter Blick“ verbreitet ein Foto, das die geretteten Menschen an Bord des Schiffes „Sea-Watch 3“ zeigen soll. Auf dem Bild ist eine Gruppe Männer zu sehen. Es wurde mehr als 2.800 Mal geteilt. 

Der Beitrag auf der Facebookseite „Befreiter Blick“ vom 1. Juli 2019. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Der Kommentar der Seite „Befreiter Blick“ dazu lautet „Hier eine Aufnahme der kürzlich ‘geretteten’ Frauen und Kinder von der SeaWatch3…“. Da der Bildausschnitt nur Männer zeigt, wird mit dem Satz impliziert, es seien gar keine Frauen oder Kinder an Bord des Schiffes gewesen. 

Das stimmt nach Angaben von Sea-Watch nicht. Das Originalbild stützt die Darstellung der Organisation. Laut einer Pressemitteilung von Sea-Watch wurden am 12. Juni insgesamt 53 Menschen aufgenommen, „unter ihnen 9 Frauen, 39 Männer, 2 Kleinkinder und 3 unbegleitete Minderjährige“. Weiterhin heißt es in der Mitteilung, am 15. Juni hätten fünf Personen an Land gehen dürfen. Dazu, wie viele das Schiff verließen, gibt es verschiedene Angaben. Sea-Watch-Mitglied Haidi Sadik sagte in einem Interview mit der Zeit, das am 2. Juli erschien, drei Tage nach der Rettung hätten zehn Menschen von Bord gehen dürfen, darunter Frauen, Kinder und medizinische Notfälle. Medien wie Spiegel Online berichten von 13 Menschen, darunter „Frauen, Kranke und Kinder“. 

Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete war am vergangenen Wochenende verhaftet worden, weil sie trotz eines Verbots im Hafen der italienischen Insel Lampedusa anlegte. Dort gingen Medienberichten zufolge etwa 40 Menschen an Land. Inzwischen ist Rackete wieder auf freiem Fuß.

Bildausschnitt taucht auf ungarischer Webseite auf

Eine Bilder-Rückwärtssuche führt zunächst zu einer ungarischen Webseite namens Vadhajtasok. Dort wird in einem Artikel vom 1. Juli über die Kapitänin Carola Rackete berichtet. Es geht vor allem um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Kritik an ihrer Verhaftung. Steinmeier hatte sich dazu im ZDF geäußert.

In dem Artikel von Vadhajtasok ist der gleiche Bildausschnitt zu sehen, der auf Facebook verbreitet wird. Darunter steht: „’Hungrige, arme Flüchtlinge’ auf dem Schiff Sea-Watch 3“. Die Worte „hungrig, arm“ wurden in Anführungszeichen gesetzt, womit anscheinend angedeutet werden soll, die abgebildeten Menschen seien eben dies nicht. 

Originalbild stammt aus einem Video einer italienischen Nachrichtenseite

Die Rückwärtssuche auf Google führt jedoch auch zum Originalbild, aus dem der Ausschnitt stammt. Es ist ein Screenshot aus einem Video, das auf dem Portal Dailymotion hochgeladen wurde. Darauf sind auch Frauen zu sehen. In dem von „Befreiter Blick“ verbreiteten Bild wurden also die Frauen weggeschnitten. 

Das Ergebnis der Rückwärtssuche nach dem Bild bei Google führt zu dem Original. (Screenshot: CORRECTIV)

Urheber des Videos ist die italienische Nachrichtenseite Notizie.it. Auf Dailymotion ist das Video in voller Länge zu sehen. Es zeigt Carola Rackete und anschließend die vollständige Gruppe, zu der auch Frauen gehören, darunter offenbar ein Teil Mitarbeiterinnen von Sea-Watch. Der Text, der im Bild eingeblendet wird, bedeutet übersetzt „Manche segeln hinaus, um Leben zu retten“. Es handelt sich um die italienischen Untertitel für ein Zitat eines Sea-Watch-Mitarbeiters, der anschließend auch im Bild zu sehen ist. 

Das Video von „Notizie.it“ auf dem Portal „Dailymotion“. (Screenshot: CORRECTIV)

Es handelt sich bei den abgebildeten Personen tatsächlich um die aktuell Geretteten von der „Sea-Watch 3“. Das zeigt ein Vergleich mit Fotos in anderen Medien. So verwendete die Tagesschau am 29. Juni ein Bild von Reuters. Es zeigt einen der Männer, die auch im Video zu sehen sind. 

Das Foto von der Bildagentur „Reuters“, gefunden auf „tagesschau.de“. Der ganz links stehende Mann mit einem Tuch auf dem Kopf ist auch im Video zu sehen. (Screenshot: CORRECTIV)
Das T-Shirt des Mannes mit dem Wort „Spirit“ in dem Pressefoto von Reuters und dem Video von „Notizie.it“. (Screenshots und Montage: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Foto zeigt nur einen Ausschnitt des Originalbildes und erweckt so den Eindruck, es seien nur Männer unter den Geretteten gewesen. Im Originalbild sind auch Frauen zu sehen. 

Bewertung: falsch

Nein, mit dieser Spendennummer wird keine Haftstrafe für Carola Rackete unterstützt

Bildschirmfoto 2019-07-01 um 13.42.29
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Bildschirmfoto 2019-07-01 um 13.42.29
Diese Grafik wird seit dem 30. Juni im Internet verbreitet. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook kursiert eine Grafik, auf der aufgefordert wird, eine SMS mit „seawatch10“ an eine Nummer zu schicken, wenn man „für mindestens zehn Jahre Haft“ für Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete sei. Durch die SMS wird jedoch Geld an Sea-Watch gespendet.

Eine Grafik mit einem vermeintlich gegen Carola Rackete gerichteten Aufruf wird derzeit von verschiedenen Seiten auf Facebook verbreitet. Das Layout ist grob an das Design der AfD angelehnt. Auf hellblauem Hintergrund steht mit weißer Schrift: „Du bist für mindestens 10 Jahre Haft für Carola Rackete? Sende ‘seawatch10’ an die 81190“. Darunter steht, eine SMS koste zehn Euro, und in einer Ecke auf rotem Hintergrund „Servicepost für Deutschland“.

Carola Rackete wurde am vergangenen Wochenende in Italien verhaftet, weil sie mit dem Schiff „Sea-Watch 3“ mit Migranten und Flüchtlingen an Bord trotz eines Verbots im Hafen der italienischen Insel Lampedusa anlegte. 

Das Geld landet bei Sea-Watch

Die Spendennummer, die auf der Grafik verwendet wird, ist identisch mit einer, die die Organisation Sea-Watch verwendet. Sie ist auf der Webseite der Organisation zu finden. Wer dem Aufruf folgt und für eine Haftstrafe der Kapitänin eine SMS schickt, spendet tatsächlich an Sea-Watch.

Dieselbe Spendennummer steht auf der Webseite von Sea-Watch. (Screenshot und Hervorhebung: CORRECTIV)

Auf Anfrage von CORRECTIV teilte Sea-Watch-Sprecher Chris Grodotzki per E-Mail mit, die Grafik stamme nicht von seiner Organisation. Man gehe davon aus, dass der Urheber die Gruppe „Hooligans gegen Satzbau“ sei und habe zuvor nichts davon gewusst. „Die Spendennummer ist korrekt, SMS-Spenden kommen bei Sea-Watch an.“

„Hooligans gegen Satzbau“ verbreiten den irreführenden Aufruf

Mutmaßlicher Urheber der Grafik ist also die Facebook-Seite „Hooligans gegen Satzbau“. Dort tauchte das Bild mit dem angeblichen Spendenaufruf in der Nacht zu Montag offenbar zuerst auf. Es wurde bisher mehr als 3.900 Mal geteilt. Ein zeitgleicher Beitrag der Gruppe auf Twitter wurde bisher rund 1.900 Mal geteilt. 

Die Seite „Hooligans gegen Satzbau“ veröffentlichte die Grafik mutmaßlich als erstes. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Daraufhin verbreitete sich das Bild auch auf zahlreichen anderen Seiten im Netz, zum Beispiel auf einer Facebook-Seite, die sich als Seite der Identitären Bewegung ausgibt, und auf der Seite des Kolumnisten Stephan Anpalagan

„Hooligans gegen Satzbau“ will sich laut der Selbstbeschreibung der Gruppe mit satirischen Aktionen gegen den „Rechtsruck“ in der Gesellschaft stellen. Die Grafik ist jedoch nicht als Satire zu erkennen, und sie enthält kein Logo von „Hooligans gegen Satzbau“.

Auf eine schriftliche Anfrage von CORRECTIV, ob „Hooligans gegen Satzbau“ die Grafik erstellt habe, bestätigte eine Sprecherin dies nur indirekt: „Es handelt sich bei dem anscheinend von uns veröffentlichten Beitrag um KEINEN Spendenaufrauf (sic!). Wir fordern lediglich die Menschen auf, die sich für eine Inhaftierung von Carola Rackete aussprechen, eine 10,- Euro teure SMS zu verschicken.“ 

„Hooligans gegen Satzbau“ sammelte nach eigenen Angaben auch selbst Spenden zur Unterstützung von Kapitänin Carola Rackete und überwies sie an Sea-Watch. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Der Spendenaufruf ist irreführend. Statt einer Haftstrafe für Carola Rackete wird die Organisation Sea-Watch finanziell unterstützt. Dass es sich um Satire handeln soll, ist nicht erkennbar.

Bewertung: unbelegt

Keine Belege, dass Seenot im Mittelmeer „künstlich erzeugt wird“

Bildschirmfoto 2019-06-27 um 16.01.27
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Bildschirmfoto 2019-06-27 um 16.01.27
Am 22. Juni veröffentlichte die Grenzschutzagentur Frontex auf Twitter und zwei Tage später auch auf Youtube ein Video, das Menschenschmuggler im Mittelmeer zeigt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Anhand eines Videos von Frontex wird behauptet, Migranten würden sich im Mittelmeer absichtlich in Seenot begeben. Das Video ist echt, für diese Behauptung gibt es aber keine Belege. 

Ein Video der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex wird als angeblicher Beweis genutzt, dass Migranten im Mittelmeer sich absichtlich in Seenot begeben, um gerettet zu werden. So wird auf der Webseite des Blogs Achse des Guten behauptet: „Hier wird künstlich ‘Seenot’ erzeugt.“ 

Das Drohnenvideo wurde Mitte Juni von Frontex auf Twitter hochgeladen. Es zeigt ein Fischerboot, das ein kleineres Boot hinter sich herzieht. Als es stoppt, steigen aus seinem Bauch Menschen in das kleine Boot um, anschließend fährt das Fischerboot weg. Auch auf Youtube ist das Video auf dem offiziellen Kanal von Frontex zu finden. 

Der Tweet von Frontex mit dem Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch der Deutschland-Kurier greift die Behauptung von Achgut auf: „Ein Fischerboot schleppt ein Holzboot aufs offene Meer, die Migranten verstecken sich unter Deck. Auf hoher See steigen diese dann in das nicht seetüchtige Holzboot und erzeugen damit selbst ihre Seenot.“ Die Facebookseite „Wirsindnichtmehr“ verbreitete das Frontex-Video mit dem Kommentar „Das wird die Tagesschau nie zeigen, also zeigt es euren Freunden“. Der Beitrag wurde mehr als 500 Mal geteilt. Und auf der Seite des AfD-Politikers Jens Eckleben wurde es mehr als 800 Mal geteilt. 

Das Video wurde auf der Seite „Wirsindnichtmehr“ verbreitet. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Video stammt tatsächlich von Frontex, wie die Grenzschutzagentur CORRECTIV auf Nachfrage per E-Mail bestätigt. Das Fischerboot sei vermutlich in Libyen gestartet und in Richtung der italienischen Insel Lampedusa unterwegs gewesen, teilt Frontex-Sprecher Krzysztof Borowski mit. Die Migranten in dem kleinen Holzboot seien in italienischen Gewässern von den Behörden aufgegriffen und sicher nach Lampedusa gebracht worden. Die mutmaßlichen Schmuggler seien verhaftet worden.

Frontex schrieb zu dem Video auf Twitter, man habe das Fischerboot mehrere Stunden beobachtet und dann die italienischen und maltesischen Behörden sowie die EU-Militäroperation Eunavfor-Med Sophia informiert. Dies sei ein klarer Fall eines „Mutterschiffs, genutzt von Kriminellen um eine große Gruppe Migranten über das Meer zu ihrem Ziel zu bringen, bevor sie in ein kleineres Boot umgeladen werden“, so Frontex weiter. 

Der weitere Verlauf der Tweets von Frontex zu dem Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Frontex spricht nicht vom „absichtlichen Erzeugen von Seenot“

Davon, dass sich die Menschen absichtlich in Seenot begeben hätten, schreibt Frontex nichts, weder auf Twitter noch auf Youtube. Und auch auf Nachfrage von CORRECTIV trifft die Grenzschutzagentur diese Aussage nicht. Die konkrete Frage beantwortet Borowski nicht mit Ja oder Nein; stattdessen weicht er aus und verweist darauf, dass nur wenige Menschen in dem Boot Rettungswesten trugen und das Boot überfüllt gewesen sei. In diesem Fall hätten die italienischen Behörden aber keine Such- und Rettungsaktion eingeleitet.

Zudem schreibt er, das Vorgehen der mutmaßlichen Schmuggler sei mit wirtschaftlichen Interessen zu erklären: „Die Nutzung eines Mutterschiffs erlaubt es den Schmugglern, illegale Migranten mit einem stärkeren/schnelleren Boot zu ihrem Ziel zu bringen. Wenn sie die Migranten in einem kleineren Boot mit weniger Ausrüstung zurücklassen, ‘verlieren’ sie nur das kleinere, oft gefährlich überfüllte Boot und können die Prozedur mit dem größeren (viel teureren) Boot wiederholen.“ 

Auszug aus der Antwort des Frontex-Sprechers. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf eine schriftliche Anfrage von CORRECTIV teilt zudem Charlie Yaxley, Sprecher des Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) für Afrika, den Mittelmeerraum und Libyen, mit, die Flüchtlinge und Migranten hätten bei der Seetüchtigkeit der Boote „wenig mitzureden“. Das sei gänzlich in der Hand der Schmuggler und Schlepper. „Wir haben keine Belege dafür, dass sich Flüchtlinge und Migranten selbst in Gefahr bringen“, so Yaxley. „Und dafür gibt es auch keinen Grund. Wenn die Behörden von ihnen erfahren, werden sie gerettet, um Verluste zu verhindern. Die Rettung wird nicht verzögert, bis das Boot in Seenot ist, so läuft das nicht.“ 

Aufgegriffen werden laut Yaxley also nicht nur Boote in Seenot, sondern alle Boote mit Flüchtlingen und Migranten, von denen die Behörden erfahren. Deshalb hätten die Menschen keinen Grund, sich absichtlich in Gefahr zu bringen. 

Auszug aus der E-Mail des UNHCR-Sprechers Charlie Yaxley an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Keine Belege. Das Video von Frontex ist echt, aber kein Beweis, dass Seenot „künstlich erzeugt“ wird oder sich Migranten absichtlich in Gefahr bringen. Zuständige Behörden deuten das eher als wirtschaftliche Strategie der Schmuggler.

Bewertung: teilweise falsch

Katrin Göring-Eckardt wollte die finanziellen Mittel für Flüchtlinge im Jahr 2015 verdoppeln, nicht 2019

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Parliamentary group co-leader of the Greens ecologist party, Katrin Goering-Eckardt, gives a press conference in Berlin on November 20, 2017, after coalition talks failed overnight. (Photo by Odd ANDERSEN / AFP)

von Nina Breher

Ein Bild zitiert die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt mit den Worten „Wir müssen die Mittel für Flüchtlinge verdoppeln“. Das Zitat ist nicht aktuell, sondern stammt aus dem Jahr 2015. Wir erläutern den Kontext.

Ein Facebook-Beitrag der Seite „Ein Prozent für unser Land“ zeigt eine Karikatur der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt. Sie wird dort mit den Worten „Wir müssen die Mittel für Flüchtlinge verdoppeln“ zitiert.

Das über die Facebook-Seite „Ein Prozent für unser Land“ verbreitete Bild (Screenshot: CORRECTIV)

Das Zitat stammt aus dem Jahr 2015

Das Zitat ist echt. Es stammt von April 2015. Göring-Eckardt sagte der Zeitung RP-Online in einem Interview: „Die Kommunen brauchen bei der Flüchtlingshilfe dringend mehr Unterstützung des Bundes – das heißt mindestens eine Verdoppelung der bisherigen 500 Millionen Euro pro Jahr.“ Ihre Aussage basiert darauf, dass sie eine Prognose der Bundesregierung von 300.000 neuen Flüchtlingen im Jahr 2015, über die die Bild berichtete, für zu niedrig gegriffen hielt: „Deutschland sollte eher mit 500.000 neuen Flüchtlingen kalkulieren“, so Göring-Eckardt. Gemeint ist hier die Summe aus Asyl-Erstanträgen und -Folgeanträgen.

Titel und Teaser des Interviews auf „RP-Online“ vom 23. April 2015. (Screenshot: CORRECTIV)

2015 wurden mehr Asylanträge gestellt, als die Bundesregierung angenommen hatte

Tatsächlich wurden 2015 insgesamt 476.649 Asylanträge (Erst- und Folgeanträge) gestellt (PDF, Seite 6). Göring-Eckardts Schätzung von 500.000 neuen Flüchtlingen lag also ein wenig zu hoch, die ursprüngliche Annahme der Bundesregierung aber sehr viel niedriger. Im Mai 2015 korrigierte die Bundesregierung die Prognose auf 450.000 (PDF).

Die Tabelle zeigt, wie viele Asylanträge zwischen 1995 und 2019 gestellt wurden. (Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge / Screenshot und Hervorhebung: CORRECTIV)

Göring-Eckardts Aussage bezog sich auf Unterstützung des Bundes für Länder und Kommunen

Aus dem Interview geht außerdem hervor, dass Göring-Eckardt nicht forderte, die gesamten Ausgaben für Geflüchtete zu verdoppeln, sondern die Unterstützung des Bundes für Länder und Kommunen.

Die Gesamtausgaben für Asyl sind laut dem Bundesministerium der Finanzen deutlich höher. 2017 waren es 21,22 Milliarden Euro. Darin ist beispielsweise auch die Bekämpfung der Fluchtursachen enthalten. Auch die Entlastung der Länder und Kommunen ist darin enthalten, 2017 wurden dafür 6,56 Milliarden Euro ausgegeben.

Übersicht über die „flüchtlingsbezogenen Belastungen“ des Bundeshaushalts 2017 bis 2022. (Quelle: Bundesministerium der Finanzen, Screenshot: CORRECTIV)

Ein Pressereferent des Bundesfinanzministeriums teilte CORRECTIV per E-Mail mit: „Die flüchtlingsbezogenen Belastungen des Bundeshaushalts werden erst seit 2016 erhoben, so dass weitergehende flüchtlingsbezogene Belastungen im Jahr 2015 nicht beziffert werden können.”

Auszug aus der E-Mail des Bundesministeriums der Finanzen an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Tatsächlich wurde Ende 2015 beschlossen, den Ländern und Kommunen mehr Mittel für die Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen. Am 29. September 2015 wurde der Entwurf zum sogenannten Entlastungsbeschleunigungsgesetz vorgelegt. „Für das Jahr 2015 hat der Bund die Länder mit Blick auf ihre asyl- und flüchtlingsbedingten Ausgaben (…) pauschal um 2 Milliarden Euro entlastet”, heißt es im Bericht der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag zur Beteiligung des Bundes an den Flüchtlings- und Integrationskosten sowie der Mittelverwendung durch die Länder von 2018. Länder und Kommunen haben also letztlich viermal so viele Mittel erhalten wie die 500.000 Millionen Euro, die veranschlagt waren, als Göring-Eckardt das Interview gab. 

Das Bild stammt von einer Seite, die Stimmung gegen die Grünen macht

Der Text neben dem Bild verweist auf die Internetseite wir-sind-gruen.com – eine Internetseite ohne Impressum, die die Grünen als „linksextreme, antideutsche, volksverräterische Partei“ bezeichnet und Kommentare von Grünen-Mitgliedern auflistet. Das Bild mit dem Zitat Göring-Eckardts befindet sich auch auf der Instagram-Präsenz der Internetseite.

Die Internetseite wir-sind-gruen.com. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Zitat ist echt, stammt aber von 2015, als die Zahl der Asylanträge stärker stieg als zunächst erwartet. Es bezog sich zudem nur auf die Hilfe des Bundes für Länder und Kommunen zur Aufnahme der Geflüchteten.

Bewertung: größtenteils falsch

„Wochenblick“ verbreitet falsche Zahlen zur Kriminalität von Zuwanderern

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Seit 2015 veröffentlicht das BKA ein gesondertes Lagebild zur Kriminalität von Zuwanderern. (Foto: Tom Farmer / Pixabay)

von Alice Echtermann

In einem Artikel von „Wochenblick“ werden korrekte Zahlen zur Kriminalität von Zuwanderern im Jahr 2018 in falschen Kontext gesetzt. Einige Angaben sind gänzlich falsch. Wir haben die einzelnen Aussagen geprüft.

Immer wieder wird mit falschen oder irreführenden Statistiken zu Straftaten durch Flüchtlinge, Asylbewerber oder Ausländer Stimmung gemacht. Am 16. Juni erschien ein Text  der Webseite Wochenblick mit der Überschrift: „Vertuscht: 46.336 Deutsche wurden 2018 Opfer krimineller Migranten!“ Im weiteren Verlauf des Textes werden verschiedene Behauptungen aufgestellt und Zahlen zitiert, die belegen sollen, dass Zuwanderer besonders oft Straftaten an Deutschen begehen. 

Der Artikel von „Wochenblick“ vom 16. Juni 2019 wurde tausendfach auf Facebook geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Artikel wurde unter anderem auf der Haupt-Facebookseite der AfD verbreitet und dort mehr als 5000 Mal geteilt. Und das Portal „Ein Prozent für unser Land“, das der Identitären Bewegung nahesteht, verbreitete am 22. Juni auf Facebook zudem eine Grafik mit der Aussage „46.336 Deutsche wurden 2018 Opfer krimineller Migranten“. Im Text darüber heißt es: „Erschreckend ist der Anstieg der Mordzahlen von Migranten an Deutschen – die Zahl nahm um 105 Prozent zu.“ Die Grafik wurde mehr als 2.800 Mal geteilt. 

Grafik der Facebook-Seite „Ein Prozent für unser Land“, veröffentlicht am 22. Juni. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Kernaussage in der Grafik stimmt. Doch weitere Aussagen in dem Wochenblick-Artikel sind falsch, andere Zahlen werden irreführend präsentiert, und es fehlt wichtiger Kontext. Das betrifft insbesondere die Zahl der Morde, die angeblich um 105 Prozent gestiegen sei. Wir haben die Tatsachenbehauptungen im Einzelnen geprüft.

Zunächst einmal: „Vertuscht“ wurde bei dieser Statistik nichts. Die Zahlen, die Wochenblick zitiert, sind alle öffentlich einsehbar im „Lagebericht Kriminalität im Kontext von Zuwanderung 2018“ des Bundeskriminalamtes (BKA). Seit 2015 wird diese Sonderauswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik jährlich veröffentlicht. Sie zeigt die aufgeklärten Fälle und weist lediglich tatverdächtige Zuwanderer aus, keine verurteilten Straftäter. 

Als Zuwanderer gelten dem BKA Personen, die „mit dem Aufenthaltsanlass ‘Asylbewerber’, ‘Schutzberechtigter und Asylberechtigter, Kontingentflüchtling’, ‘Duldung’, und ‘unerlaubter Aufenthalt’ registriert“ wurden. Der Begriff ist enger gefasst als der der „Ausländer“, der alle Personen meint, die keinen deutschen Pass besitzen. 

1. Behauptung: „Unter den insgesamt 101.956 Opfern von Straftaten mit Tatverdächtigen Zuwanderern befanden sich 46.336 Deutsche.“

Das ist korrekt. Wie aus dem BKA-Bericht (Seite 52) hervorgeht, wurden 46.336 Deutsche Opfer einer Straftat, bei der mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Der Anteil der Deutschen an den Opfern insgesamt lag bei 45 Prozent. Das ist ein Anstieg gegenüber 2017; da waren 39.096 der Opfer deutsch, was 41 Prozent aller Opfer von Straftaten durch tatverdächtige Zuwanderer ausmacht.

Wichtig ist außerdem: Es handelt sich bei diesen Straftaten um verschiedene Arten von Delikten. Opferzahlen werden bei Gewaltkriminalität, aber zum Beispiel auch bei Handtaschenraub oder Brandstiftung erfasst, wie das BKA CORRECTIV bei einem früheren Faktencheck bereits mitteilte. Zudem sei die Opferzahl meist höher als die der Straftaten, da zu einer Tat mehrere Opfer erfasst werden können. 

Erklärung zur Erfassung von Opferzahlen im Lagebild des BKA. (Screenshot: CORRECTIV)

2. Behauptung: Medienberichte, nach denen Gewalt gegen Ausländer zugenommen habe und die Kriminalität insgesamt gesunken sei, seien „gewaltige statistische Lügen“.

Das ist teilweise falsch. Wochenblick nennt zwar keine konkreten Medienberichte. Generell sind solche Aussagen aber nicht gelogen. Bundesweit ist die Kriminalität 2018 gesunken. In der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2018, die sämtliche Straftaten umfasst, heißt es, die Fallzahl habe sich seit 2017 um 3,6 Prozent verringert. Sie habe damit den niedrigsten Stand seit 1992 erreicht.

Mit „Gewalt gegen Ausländer“ ist hier wohl Gewalt von Deutschen gegen Zuwanderer gemeint. Denn an anderer Stelle im Artikel heißt es, das BKA-Lagebild entlarve die „Behauptung der angeblich zunehmenden Gewalt von Deutschen gegen Ausländer als dreiste Unwahrheit“. Tatsächlich seien „an den 47.042 Angriffen auf Ausländer lediglich 8.455 Passdeutsche beteiligt“ gewesen.

Diese Aussagen sind irreführend, da die Statistik falsch verwendet wird. Das Lagebild des BKA trifft keine Aussagen zur Gewaltkriminalität von Deutschen an Zuwanderern, kann hier also nicht als Quelle dienen. Zudem vermischen die Autoren die Begriffe „Ausländer“ und „Zuwanderer“ und deklarieren sämtliche Straftaten als „Gewalt“ oder „Angriffe“. 

Was in dem Bericht steht: Insgesamt wurden 47.042 Zuwanderer als Opfer von Straftaten erfasst. Davon wurden 8.455 Opfer einer Straftat durch tatverdächtige Deutsche. Das sind laut BKA 24 Prozent mehr als noch im Vorjahr (2017: 6.832). Wie viele davon Gewalttaten waren, ist aber unklar. Eine genaue Statistik gebe es dazu nicht, teilt uns BKA-Sprecherin Sandra Clemens auf Nachfrage telefonisch mit.

Auswertung des BKA zu deutschen Tatverdächtigen. (Screenshot: CORRECTIV)

3. Behauptung: Die Anzahl der Morde an Deutschen, die durch Zuwanderer begangen wurden, sei gegenüber 2017 um 105 Prozent gestiegen.

Das ist falsch. Die tatsächliche Zahl deutscher Mordopfer durch Zuwanderer ist laut BKA nicht bekannt. Wochenblick scheint hier also etwas zu verwechseln: Statt der Mordopfer benutzt die Webseite die Zahl aller Opfer von Mord- und Totschlagsdelikten, die auch die Opfer von versuchten Delikten enthält. Diese Zahl ist tatsächlich um 105 Prozent gestiegen – von 112 im Jahr 2017 auf 230 im Jahr 2018. Die versuchten Delikte machen dabei den größten Anteil aus. Deshalb ist es falsch, wenn Wochenblick von einem Anstieg von 105 Prozent bei „Morden an Deutschen“ spricht. 

Wie viele Deutsche tatsächlich starben, ist unklar. Insgesamt spricht das BKA von 102 „Opfern einer vollendeten Tat“. Doch durch eine statistische Besonderheit wurden 2018 auch alle 81 Opfer des Anschlags vom Breitscheidplatz in Berlin 2016 mit erfasst. Durch das Attentat starben sechs Menschen, 75 wurden verletzt und überlebten. Aufgrund der Eigenheiten der Statistik werden alle 81 als „Opfer eines vollendeten Tötungsdeliktes“ gezählt – unabhängig vom Grad ihrer Verletzungen. Diesen wichtigen Kontext lässt Wochenblick aus.  

Auszug aus dem BKA-Bericht mit der Zahl der Deutschen Opfer und der Erklärung zum Anschlag vom Breitscheidplatz. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine genauere Zahl der gestorbenen Deutschen gebe es nicht, erklärt uns BKA-Sprecherin Clemens. Die Modalitäten der Polizeilichen Kriminalstatistik seien aktuell so. Eine Annäherung an die tatsächlich gestorbenen Personen erhalte man, wenn man von den 102 Opfern die 75 Überlebenden vom Breitscheidplatz abziehe. Das wären dann 27 deutsche Todesopfer, inklusive der sechs Gestorbenen vom Breitscheidplatz. 2017 wurden 13 Deutsche mit Beteiligung von tatverdächtigen Zuwanderern getötet. 

4. Behauptung: „Die durch Ausländer verübten Vergewaltigungen kletterten auf den Rekordwert von 13.377 Fällen.“

Das ist falsch. Diese Zahl findet sich nirgends in dem BKA-Bericht. Stattdessen wird dort aufgeführt, dass 2018 bei insgesamt 6.046 „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ Zuwanderer tatverdächtig waren. 2017 waren es 5.258. Es gab also einen Anstieg. Die Zahl von mehr als 13.000 ist aber viel zu hoch gegriffen. 

Zudem wurden diese Taten nicht alle an Deutschen verübt. Das Lagebild verzeichnet 3.261 deutsche Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, und 2.785 nicht-deutsche Opfer.

Auszug aus dem BKA-Bericht zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. (Screenshot: CORRECTIV)

Wichtig ist außerdem: Nicht alle „Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung“ sind Vergewaltigungen. Der Begriff umfasst sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Nötigung und Übergriffe, Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen und Exhibitionismus. Das Lagebild (Seite 21) zeigt, dass die Zahl der Vergewaltigungen 2018 im Vergleich zu 2017 zurückgegangen ist, während die der sexuellen Belästigungen stieg. 

Auszug aus einer Grafik im BKA-Bericht, die zeigt, wie hoch die Zahl der verschiedenen Sexualdelikte durch tatverdächtige Zuwanderer 2017 (hellblau) und 2018 (dunkelblau) war. (Screenshot: CORRECTIV)

5. Behauptung: „Schwere und schwerste Körperverletzungen gegen Deutsche“ seien auf 55.359 gestiegen.

Das ist falsch. Im BKA-Bericht (Seite 26) steht, dass es im Jahr 2018 insgesamt 55.391 Fälle von Körperverletzung gab, bei denen Zuwanderer tatverdächtig waren. Den größten Anteil machten leichte Körperverletzungen aus (35.388 Fälle). Diese Taten richteten sich nicht aber nur gegen Deutsche. Eine Statistik dafür, wie viele Deutsche Opfer von Körperverletzung durch Zuwanderer wurden, existiere nicht, sagt uns BKA-Sprecherin Sandra Clemens. 

Klar ist aber: Da insgesamt 46.336 Deutsche Opfer einer Straftat durch tatverdächtige Zuwanderer wurden, kann die Zahl von mehr als 55.000 Körperverletzungen nicht stimmen. 

6. Behauptung: „Seit 2015 stieg der Anteil von Ausländern im deutschen Strafvollzug allein in Hamburg auf heute 61 Prozent aller Inhaftierten. In Berlin auf 51 Prozent, in Baden-Württemberg auf 48, in Bayern 45 und Hessen 44 Prozent.“

Die Zahlen sind in diesem Kontext irreführend. Die Angaben zu Ausländern in deutschen Gefängnissen stammen aus einem Bericht von RP-Online von Februar 2019. Sie wurden korrekt zitiert. Aber Wochenblick suggeriert in diesem Zusammenhang, es handele sich bei diesen Menschen – wie im restlichen Artikel – um Zuwanderer, also größtenteils um Flüchtlinge oder Asylbewerber. Das ist irreführend. 

Es ist bei RP-Online die Rede von Ausländern – allen, die keinen deutschen Pass besitzen. Also auch Italiener, Franzosen oder Ungarn. Tatsächlich heißt es in dem Artikel zum Beispiel für das Bundesland Sachsen: „Die stärksten Gruppen stellten dabei Häftlinge aus Polen, Tunesien, Libyen, Tschechien und Georgien.“

Anmerkung, 1. Juli 2019: Die aus dem Artikel von RP-Online zitierten Angaben zu den größten Gruppen von Ausländern in deutschen Gefängnissen bezogen sich nur auf das Bundesland Sachsen. Wir haben dies im Artikel klargestellt. RP-Online führte nach eigenen Angaben eine Umfrage bei allen Landesjustizministern durch. Daraus ergab sich zum Beispiel für Sachsen, dass die größten Gruppen „Häftlinge aus Polen, Tunesien, Libyen, Tschechien und Georgien“ seien. Weiter heißt es in dem Artikel, in Nordrhein-Westfalen stammten die meisten aus der Türkei, gefolgt von Marokko, Polen und Rumänien. Und in Baden-Württemberg kämen die größten Gruppen „aus der Türkei, aus Gambia, Rumänien, Algerien, Italien, Georgien, Polen, dem Kosovo, Syrien und Albanien“.

CORRECTIV hat zudem eine eigene Anfrage an alle Landesjustizminister gestellt und wird diesen Text aktualisieren, sobald die Antworten eingetroffen sind.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Der Artikel nennt einige korrekte Zahlen zur Kriminalität von Zuwanderern, vermischt sie aber mit falschen Zahlen oder irreführendem Kontext.